Alleinerziehende sind häufiger von Armut betroffen.
Alleinerziehende sind häufiger von Armut betroffen.

Armut in der Schweiz

Fakten und Hintergrundinformationen

Welche Bilder kommen dir in den Sinn, wenn du an Armut denkst?

Viele Menschen verbinden Armut vor allem mit dem globalen Süden. Dass jedoch auch in der Schweiz zahlreiche Menschen von Armut betroffen sind und die soziale Ungleichheit zunimmt, ist vielen nicht bewusst.

Hier findest du die wichtigsten Definitionen, Zahlen und Fakten zur Armut in der Schweiz und erfährst, wie du dich selbst engagieren kannst.

Fragen und Antworten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie einerseits die weltweite Armut, andererseits die Armut innerhalb eines Landes definiert werden kann.

Eine weltweite Definition von Armut liefert die Weltbank. Sie benutzt den Ausdruck von «extremer Armut» bei Menschen, die mit weniger als 3 US-Dollar pro Tag leben müssen. Ein Leben in extremer Armut bedeutet oft Hunger, Mangelernährung und einen erschwerten Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem.

Innerhalb eines Landes wird oft zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden. Liegt das Haushaltseinkommen unter der festgelegten Armutsgrenze, spricht man von «absoluter Armut». Die Menschen leben unter dem Existenzminimum und haben nicht genug Geld für lebenswichtige Ausgaben wie Wohnung, Nahrung oder Kleidung.

In einem anderen Ansatz wird der Begriff der «relativen Armut» verwendet. Dabei wird keine fixe Armutsgrenze als Richtwert genommen. Von relativer Armut wird dann gesprochen, wenn eine Person arm ist im Vergleich zur Gesellschaft, in der sie lebt, nicht so leben kann, wie es für die Mehrheit in einem Land normal ist.

Die Schweizer Politik beschäftigt sich noch nicht sehr lange systematisch mit dem Thema Armut und führt erst seit wenigen Jahren eine Statistik. Dabei wird das Konzept der absoluten Armut angewendet. In der Schweiz gilt ein Haushalt dann als arm, wenn sein verfügbares Einkommen unter dem Existenzminimum der Sozialhilfe liegt. Bei der Berechnung des Existenzminimums wird auf die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) abgestützt. Diese hat festgelegt, wieviel eine Einzelperson, ein Paar oder eine Familie mindestens braucht, um alle notwendigen Ausgaben decken zu können.

Im Jahr 2024 lag das Existenzminimum und damit die Armutsgrenze bei durchschnittlich 2388 Franken im Monat für eine Einzelperson und 4159 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern. Von diesem Betrag müssen die Ausgaben für den sogenannten Grundbedarf (wie Essen, Kleider, persönliche Pflege oder Mobilität) sowie die Wohnkosten bezahlt werden. Die Prämien für die obligatorische Krankenversicherung, Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und allfällige Alimente hingegen sind nicht mit eingerechnet.

In der Schweiz zeigt sich, dass bestimmte Personen besonders gefährdet sind, von Armut betroffen zu sein. Dazu gehören:

  • Personen ohne berufliche Ausbildung
  • Alleinerziehende Eltern
  • Kinderreiche Familien
  • Alleinstehende Pensionierte
  • Menschen mit Migrationshintergrund

Die Ursache für die Armut ist oft ein kritisches Lebensereignis. Beispielsweise kann ein Jobverlust, eine Scheidung oder ein gesundheitliches Problem am Anfang einer Abwärtsspirale stehen, die schliesslich in die Armut führt.

Armut bedeutet nicht nur ein Mangel an Geld, sondern vor allem auch fehlende Möglichkeiten, an der Gesellschaft teilzuhaben. Betroffene gehen sehr unterschiedlich mit ihrer Situation um. Nebst grossen Existenzängsten ist die Armut bei vielen auch mit einem grossen Schamgefühl verbunden. Das Videoformat «Club» von SRF diskutiert mit Betroffenen und gibt dir Einblick in ihre Situation.

Caritas setzt sich mit vielen Angeboten und Projekten für mehr soziale Gerechtigkeit in der Schweiz ein und unterstützt armutsbetroffene Menschen. Diese können im Caritas-Markt stark vergünstigte Lebensmittel beziehen und sich im Caritas Secondhand-Laden mit tadellos erhaltener Kleidung eindecken. Die KulturLegi ermöglicht Armutsbetroffenen zudem den vergünstigten Zugang zu Bildung, Freizeit, Sport und Ferien. Weiter bietet Caritas Sozial- und Schuldenberatungen an sowie diverse andere Projekte, in denen Menschen in schwierigen Lebenslagen begleitet werden.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie du dich für benachteiligte Personen in der Schweiz einsetzen kannst.

Informiere dich und sensibilisiere andere
Sei dir bewusst, dass Armut jede und jeden treffen kann und du höchstwahrscheinlich auch in deinem Umfeld armutsbetroffene Menschen hast. Sprich mit deinem Umfeld über Geld, Konsum und Armut und sensibilisiere sie dafür, dass Armut kein Ausdruck von persönlichem Versagen, sondern das Abbild einer oft unfairen Welt ist. youngCaritas bietet verschiedene Workshops an, wo du dir fundiertes Wissen zum Thema aneignen und deine offenen Fragen an Fachpersonen richten kannst.

Mach bei einem Projekt mit
youngCaritas und die Regionalen Caritas-Organisationen bieten dir verschiedene Möglichkeiten, um dich zu engagieren. Mach bei einem unserer Projekte mit und engagiere dich für mehr soziale Gerechtigkeit.

Lanciere ein eigenes Projekt
Du hast eine eigene Projektidee? Wir beraten dich kompetent und unterstützen dich bei der Umsetzung. Zudem kannst du dein Projekt am youngCaritas-Award anmelden und erhältst so die Chance auf tolle Preise.

Zahlen und Fakten Armut in der Schweiz

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Menschen

sind in der Schweiz von Armut betroffen oder bedroht.

(2022)

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Kinder

in der Schweiz leben in einem armutsbetroffenen Haushalt. Diese Kinder haben bereits bei Kindergarteneintritt schlechtere Startchancen. Das hat schwerwiegende Folgen, weil mangelnde Bildung das Armutsrisiko erhöht.

(2024)

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Personen

sind trotz Erwerbsarbeit arm – sie sind sogenannte Working Poor. Familien sind besonders häufig betroffen, weil sie Job und Betreuung unter einen Hut bringen müssen und Kinder hohe Kosten mit sich ziehen.

(2024)

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Franken

hat eine von Armut betroffene vierköpfige Familie zur Verfügung, während es für eine alleinstehende Person 2'388 Franken sind. Damit müssen die Kosten für Unterkunft und Gesundheit, Lebensmittel, Kleidung, Transport usw. bezahlt werden.

(2024)

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Titelbild: Alleinerziehende sind häufiger von Armut betroffen. © Thomas Plain