Workshop von Your Body Matters
Workshop von Your Body Matters

Your Body Matters

Kultursensible Gesundheitsbildung für afghanische Frauen

Weltweit stirbt etwa alle zwei Minuten eine Frau an vermeidbaren Komplikationen in Schwangerschaft oder Geburt (WHO, 2025); jährlich gibt es rund 121 Millionen ungewollte Schwangerschaften (UNFPA, 2022). Vieles davon liesse sich durch Prävention verhindern.

«Ich habe meinen eigenen Körper in der Notaufnahme kennengelernt. Keine Frau sollte ihn so kennenlernen müssen.» – Wajma Mohammadi, Gründerin und Projektleiterin

Jahrelang galten ihre starken Menstruationsschmerzen als «normal». Erst nach einem Notfall erhielt sie die Diagnose Endometriose. Daraus entstand Your Body Matters.

Das kultursensible Präventions- und Empowerment-Projekt von Humanity Network for Women (HNW) stärkt die Gesundheitskompetenz afghanischer Frauen in der Schweiz zu Menstruation, Schwangerschaft und Verhütung. Sprachbarrieren, Tabus und Scham erschweren ihnen den Zugang zu Gesundheitsangeboten. In geschützten Räumen stellen Frauen Fragen und erhalten fachlich geprüftes Wissen in ihrer Muttersprache. Denn Gesundheit ist eine Grundlage für Integration.

Nach erfolgreichen Workshops mit Partnerorganisationen folgen 2027 in Bern drei Workshops und eine Peer-Dialogsession; eine anonyme Befragung macht die Wirkung sichtbar. Das HNW-Team engagiert sich grösstenteils ehrenamtlich – aus der Überzeugung, dass jede Frau das Recht hat, ihren eigenen Körper zu verstehen.

Projekt von
  • Wajma Mohammadi
  • Fereshta Osmani
  • Zahra
  • Sultan Wali Shinwari
  • Cedric Nehmet
Award-Teilnahme

2026

Impressionen

Workshop von Your Body Matters
Workshop von Your Body Matters © Wajma Mohammadi
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Fragen an die Projektmachenden

Wie wollt ihr eure Idee umsetzen? Was braucht ihr dafür?

Zuerst bereiten wir das Programm sorgfältig vor: Wir entwickeln die Workshop-Inhalte, die eine afghanische Gynäkologin fachlich prüft, und erstellen ein Glossar mit rund 100 Gesundheitsbegriffen in Dari und Paschto. Danach führen wir in Bern drei Workshops durch – zu Menstruationsgesundheit, Schwangerschaft und mütterlicher Gesundheit sowie Verhütung und Prävention – und eine Peer-Dialogsession. Zum Schluss werten wir die Befragungen aus und machen sichtbar, was sich verändert hat.

Dafür brauchen wir geschützte Räume, medizinische Fachpersonen, mehrsprachige Materialien und Freiwillige für Übersetzung und Kinderbetreuung – und Menschen, die an uns glauben.

Was hat euch zu diesem Projekt inspiriert? Was treibt euch an?

Ich habe meinen eigenen Körper in der Notaufnahme kennengelernt. Keine Frau sollte ihn so kennenlernen müssen.

Als unverheiratete Frau in Afghanistan hörte ich jahrelang, ein Besuch bei einer Gynäkologin sei nicht angemessen. Meine starken Menstruationsschmerzen galten als «normal», sie würden nach der Heirat verschwinden. Selbst Jahre nach meinem Weggang hielten mich diese Tabus davon ab, Hilfe zu suchen. Erst nach einem Notfall erhielt ich die Diagnose Endometriose – eine Krankheit, die etwa jede zehnte Frau betrifft. Auch die späte Krebsdiagnose meiner Mutter zeigte mir, wie schwer fehlende Gesundheitsinformationen wiegen.

Was mich antreibt: Wenn selbst ich – eine gebildete Frau, die sich für Frauenrechte einsetzt – so lange Opfer dieses Tabus war, wie schwer ist es dann für Frauen mit weniger Zugang zu Bildung?

Was möchtet ihr mit dem Projekt erreichen/ausprobieren?

Wir möchten, dass afghanische Frauen in Bern ihre Gesundheit besser verstehen und für sich einstehen können. Unsere drei Ziele:

  • mehr Wissen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und besseres Erkennen von Warnsignalen
  • Kenntnis der Angebote im Schweizer Gesundheitssystem und deren selbstbewusste Nutzung
  • Weitergabe des Wissens durch interessierte Teilnehmerinnen in ihrem Umfeld

Gesundheit ist eine Grundlage für Integration: Wer jahrelang mit Schmerzen lebt, hat weniger Kraft für Spracherwerb, Ausbildung und Arbeit.

Ausprobieren möchten wir, ob kultursensible Gesundheitsbildung in der Muttersprache wirkt – trauen sich die Frauen danach eher, ärztliche Hilfe zu suchen? Eine anonyme Befragung zu Beginn und am Ende macht das sichtbar. Auf dieser Grundlage wollen wir ein Peer-Modell entwickeln, das ab 2028 mehr Frauen erreichen.

Wo möchtest du dich in dem Projekt persönlich weiterentwickeln?

Bisher haben wir alle Aktivitäten ehrenamtlich umgesetzt. Mit diesem Projekt möchten wir den Schritt zur professionellen Projektarbeit machen: ein einjähriges Programm strukturiert planen, als interkulturelles Team gut zusammenarbeiten und transparent über Ergebnisse berichten. Wir möchten lernen, Wirkung methodisch zu messen, und mehr Sicherheit in der Zusammenarbeit mit Fachpersonen und Institutionen des Schweizer Gesundheits- und Bildungswesens gewinnen – unterstützt durch das Coaching von youngCaritas. Und wir möchten lernen, Frauen so zu begleiten, dass aus Teilnehmerinnen später selbst Vermittlerinnen werden.

Welche Werte sind dir in deinem Projekt besonders wichtig?

Am wichtigsten ist uns Selbstbestimmung: Frauen sollen ihren Körper verstehen und selbst entscheiden können, wann und wo sie Hilfe suchen. Dazu gehören Vertrauen und Respekt. Wir schaffen geschützte Räume, in denen jede Frage erlaubt ist, auch anonym, und in denen Kultur, Sprache und Erfahrungen ernst genommen werden.

Ebenso wichtig sind uns Solidarität und Gegenseitigkeit: Frauen lernen nicht nur von Fachpersonen, sondern auch voneinander. Und wir stehen für Sorgfalt und Ehrlichkeit: Medizinische Inhalte werden fachlich geprüft, und bei Bedarf vermitteln wir an Ärztinnen und Beratungsstellen.

Wie trägt euer Projekt dazu bei, die Gesellschaft gerechter oder nachhaltiger zu gestalten?

Unser Projekt hilft, zwei Lücken zu schliessen: In der Medizin galt lange der männliche Körper als Standard – die Gesundheit von Frauen wird bis heute oft ungenügend berücksichtigt. Für Migrantinnen verstärken Sprache und Tabus diese Lücke. In unserem Workshop kannte eine minderjährige Teilnehmerin die Inhalte aus der Schweizer Schule. Die erwachsenen Frauen hörten vieles zum ersten Mal. Sprache, Tabus und fehlende Systemkenntnis sollen nicht darüber entscheiden, ob eine Frau Vorsorge und Beratung nutzt. Gesundheit ist eine Frage der Chancengleichheit.

Nachhaltig ist das Projekt, weil:

  • das Wissen über die Netzwerke der Frauen und künftige Peer-Facilitatorinnen weitergegeben wird;
  • Toolkit und Glossar in Dari und Paschto bestehen bleiben;
  • frühe Information spätere aufwendige Behandlungen vermeiden kann.

Wo steht ihr mit dem Projekt? Was sind nächste Schritte?

Wir haben eine erfolgreiche Pilotphase hinter uns:

  • Online-Workshopreihe mit über 90 Anmeldungen aus 13 Ländern
  • Community-Anlass mit rund 130 Teilnehmenden
  • Präsenzworkshops in Bern und Zürich in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen, auf Dari und mit Kinderbetreuung
  • Aufklärungsvideo zum Menstruationszyklus mit rund 100'000 Aufrufen

Nächste Schritte: Wir sprechen mit afghanischen Frauen über ihre Bedürfnisse und führen danach weitere Workshops und Austauschformate in Bern durch.

Wo setzt ihr euer Projekt um? Wen möchtet ihr ansprechen?

Wir setzen das Projekt in Bern um. Es richtet sich an afghanische Frauen ab 18 Jahren, die erst als Erwachsene in die Schweiz kamen und wenig Zugang zu deutschsprachigen Gesundheitsinformationen haben. Die Workshops finden auf Dari und Paschto statt, mit Kinderbetreuung. Die Frauen erreichen wir direkt: über unsere WhatsApp-Gruppe afghanischer Frauen in Bern, unsere Instagram-Gruppe afghanischer Frauen in der Schweiz und Partnerorganisationen.

Diese Inhalte wurden vom entsprechenden Projekt verfasst.

Weitere Informationen

Titelbild: Workshop von Your Body Matters © Wajma Mohammadi