Your Body Matters
Weltweit stirbt etwa alle zwei Minuten eine Frau an vermeidbaren Komplikationen in Schwangerschaft oder Geburt (WHO, 2025); jährlich kommt es zu rund 121 Millionen ungewollten Schwangerschaften (UNFPA, 2022).
Your Body Matters, ein kultursensibles Empowerment-Projekt von Humanity Network for Women (HNW), stärkt die Gesundheitskompetenz afghanischer Frauen in der Schweiz zu Menstruation, Schwangerschaft, Verhütung und Prävention. Sprachbarrieren, Tabus und Scham erschweren ihnen den Zugang zu bestehenden Gesundheitsangeboten. In geschützten Räumen stellen Frauen Fragen, tauschen Erfahrungen aus und erhalten fachlich geprüftes Wissen; bei Bedarf vermitteln wir zu Beratungsstellen.
Das Projekt baut auf einer erfolgreichen Pilotphase auf (drei Online-Workshops mit über 90 Anmeldungen aus 13 Ländern, Präsenzworkshops mit Café Be More in Bern und NCBI in Zürich, Community-Veranstaltung mit rund 130 Teilnehmenden). Von Januar bis August 2027 führen wir in Bern mit 30 bis 40 Frauen drei Workshops und eine Peer-Dialogsession durch und messen die Wirkung mit einer anonymen Befragung.
Interessierte Teilnehmerinnen können später als Peer-Multiplikatorinnen Wissen weitergeben. Das HNW-Team engagiert sich grösstenteils ehrenamtlich aus Überzeugung, dass jede Frau das Recht hat, ihren eigenen Körper zu verstehen.
- Wajma Mohammadi
- Fereshta Osmani
- Zahra
- Sultan Wali Shinwari
- Cedric Nehmet
2026
Impressionen
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Fragen an die Projektmachenden
Wie wollt ihr eure Idee umsetzen? Was braucht ihr dafür?
Wir setzen das Projekt von Januar bis August 2027 in Bern um. Von Januar bis März planen wir das Programm, bauen Kooperationen aus und entwickeln die Workshop-Inhalte, die Gesundheitsfachpersonen fachlich prüfen. Von April bis Juni führen wir drei aufeinander aufbauende Workshops (Menstruationsgesundheit, Schwangerschaft und mütterliche Gesundheit, Verhütung und Prävention) sowie eine Peer-Dialogsession durch. Die Ansprache erfolgt über Community-Netzwerke und Partner wie Café Be-More (BFH). Im Juli und August werten wir die Befragungen aus und erstellen den Abschlussbericht.
Dafür brauchen wir CHF 10'000 für Räume, Verpflegung, Materialien, mehrsprachige Informationen, Honorare für externe Gesundheitsfachpersonen und die Projektarbeit unseres Teams. Zusätzlich bringen wir CHF 6'675 Eigenleistung ein: rund 185 Stunden Freiwilligenarbeit und gespendete Materialien.
Was hat euch zu diesem Projekt inspiriert? Was treibt euch an?
Als unverheiratete Frau in Afghanistan wurde mir über Jahre gesagt, ein Besuch bei einer Gynäkologin sei nicht angemessen. Meine starken Menstruationsschmerzen galten als «normal», sie würden nach der Heirat verschwinden. Selbst fünf Jahre nach meinem Weggang waren diese Tabus so stark, dass ich keine Untersuchung in Anspruch nahm. Erst nach einem Notfall im Spital erhielt ich die Diagnose Endometriose. Auch die späte Krebsdiagnose meiner Mutter zeigte mir, wie schwerwiegend fehlende Gesundheitsinformationen sein können.
Was mich antreibt: Andere Frauen sollen nicht so lange warten müssen wie ich. Die Fragen und die grosse Resonanz in unseren bisherigen Veranstaltungen zeigen mir, wie gross der Bedarf ist. Seit 2016 engagiere ich mich für Frauenrechte und Bildung.
Was möchtet ihr mit dem Projekt erreichen/ausprobieren?
Wir möchten, dass afghanische Frauen in Bern ihre Gesundheit besser verstehen und selbstbewusst für sich einstehen können. Konkret verfolgen wir drei Ziele: Die Frauen haben mehr Wissen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und erkennen Warnsignale besser. Sie kennen geeignete Angebote im Schweizer Gesundheitssystem und fühlen sich sicherer, diese zu nutzen. Und interessierte Teilnehmerinnen sind bereit, Wissen in ihrem Umfeld weiterzugeben.
Ausprobieren möchten wir, ob kultursensible Gesundheitsbildung in einem vertrauten Rahmen diese Frauen erreicht und stärkt. Mit einer anonymen Befragung zu Beginn und am Ende prüfen wir, was sich verändert. Auf dieser Grundlage wollen wir ein Peer-Modell entwickeln, mit dem ab 2028 mehr Frauen erreicht werden können.
Wo möchtest du dich in dem Projekt persönlich weiterentwickeln?
Ich möchte mich vor allem in der professionellen Projektleitung weiterentwickeln. Bisher haben wir alle Aktivitäten ehrenamtlich und ohne eigene Projektmittel umgesetzt. Mit diesem Projekt lerne ich, ein finanziertes Vorhaben zu planen, ein Budget zu verantworten und darüber gegenüber Geldgebenden Bericht zu erstatten.
Ausserdem möchte ich lernen, Wirkung systematisch zu messen und aus den Ergebnissen Schlüsse für die Weiterentwicklung zu ziehen. Auch die Zusammenarbeit mit Fachpersonen und Institutionen im Schweizer Gesundheits- und Bildungswesen ist für mich ein wichtiger Lernschritt. Schliesslich möchte ich mein Team gut koordinieren und Teilnehmerinnen so begleiten, dass sie später als Peer-Facilitatorinnen Verantwortung übernehmen können.
Welche Werte sind dir in deinem Projekt besonders wichtig?
Am wichtigsten ist mir Selbstbestimmung: Frauen sollen ihren Körper verstehen und selbst entscheiden können, wann und wo sie Hilfe suchen. Dazu gehören Vertrauen und Respekt. Wir schaffen geschützte Räume, in denen jede Frage erlaubt ist, auch anonym, und in denen Kultur, Sprache und persönliche Erfahrungen ernst genommen werden.
Ebenso wichtig sind mir Solidarität und Gegenseitigkeit. Frauen lernen voneinander, und wir wollen Wissen in der Community weitergeben, statt es von aussen vorzugeben. Schliesslich stehe ich für Sorgfalt und Ehrlichkeit: Alle medizinischen Inhalte werden von Fachpersonen geprüft, und wir sagen klar, dass wir keine Diagnose oder Behandlung ersetzen. Gesundheit ist für mich eine Frage der Chancengleichheit, unabhängig von Herkunft und Sprache.
Wie trägt euer Projekt dazu bei, die Gesellschaft gerechter oder nachhaltiger zu gestalten?
Unser Projekt trägt zu mehr Gerechtigkeit bei, weil es Frauen erreicht, die das Schweizer Gesundheitssystem bisher schlecht erreicht. Sprache, Tabus und fehlende Systemkenntnis sollen nicht darüber entscheiden, ob eine Frau Vorsorge und Beratung nutzt. Wir stärken ihre Gesundheitskompetenz und ihr Selbstvertrauen und fördern damit Chancengleichheit und Teilhabe von Migrantinnen.
Nachhaltig wirkt das Projekt auf drei Wegen: Erstens bleibt das Wissen bei den Frauen und gelangt über ihre sozialen Netzwerke weiter. Zweitens entstehen mehrsprachige Materialien und ein Toolkit, die wir weiter nutzen können. Drittens entwickeln wir aus der Pilotphase ein Peer-Modell, das ab 2028 weitere Frauen erreicht. Frühe Information kann zudem helfen, spätere aufwendige Behandlungen zu vermeiden.
Wo steht ihr mit dem Projekt? Was sind nächste Schritte?
Wir haben eine erfolgreiche Pilotphase hinter uns: eine internationale Online-Workshopreihe mit über 90 Anmeldungen aus 13 Ländern, eine Community-Veranstaltung mit rund 130 Teilnehmenden im März 2026 in Winterthur und einen Präsenzworkshop im Juni 2026 in Bern mit Café Be-More (BFH). Dort haben wir direkt erlebt, welche Fragen die Frauen beschäftigen. Auf dieser Grundlage haben wir das Programm für 2027 konzipiert.
Als Nächstes stehen weitere Aktivitäten an: im September 2026 mit NCBI, im Oktober mit Café Be-More (Termin noch offen). Wir sichern die Finanzierung für 2027 und festigen Kooperationen mit Fachpersonen und Partnerorganisationen. Ab Januar 2027 beginnen wir mit der Programmkonzeption und der Entwicklung der Workshop-Inhalte.
Wo setzt ihr euer Projekt um? Wen möchtet ihr ansprechen?
Wir setzen das Projekt in Bern um. Die drei Workshops und die Peer-Dialogsession finden in Präsenz in geschützten Räumen statt, in denen sich die Frauen sicher fühlen und offen sprechen können.
Wir möchten rund 30 bis 40 afghanische Frauen ab 18 Jahren im Raum Bern ansprechen, die Flucht- oder Migrationserfahrung haben und nur begrenzten Zugang zu deutschsprachigen Gesundheitsinformationen. Wir erreichen sie über bestehende Community-Netzwerke, digitale Kanäle und Partnerorganisationen wie Café Be-More (BFH). Die Lernmaterialien sind mehrsprachig, damit Sprache keine Hürde ist. Wir sprechen die Frauen dort an, wo sie sich bereits vertraut bewegen.
Diese Inhalte wurden vom entsprechenden Projekt verfasst.